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28. August 2006
Kleine Gärten, große Entwicklungen
Kurt R. Schmidt war gemeinsam mit sechs weiteren Juroren drei Wochen lang in Deutschland unterwegs, um die 51 Teilnehmer des Kleingarten-Bundeswettbewerbs zu bewerten. In einem Interview zieht er Bilanz.
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Herr Schmidt, Sie waren als Jurymitglied vor allem zuständig für die Bewertung der ökologischen Aspekte der Anlagen. Welche Trends ließen sich hier beobachten? Es war ganz deutlich ein größeres Bewusstsein gegenüber Natur und Umwelt sichtbar. Bei meinen Gartenbewertungen ging ich nach drei Kriterien vor: Bild, Biologie und Funktion. Das heißt, der Garten bzw. die gesamte Anlage sollte ein schönes Bild abgeben, biologisch vielfältig sein und daneben natürlich funktionieren, also als Garten bzw. Kleingartenanlage in allen Belangen nutzbar sein. In puncto biologischer Vielfalt hat sich das Kleingartenwesen stark weiterentwickelt. Hatte man beim letzten Bundeswettbewerb vor vier Jahren noch vereinzelt den Eindruck von aufgesetzten Alibiprojekten, kristallisierten sich dieses Mal konsequent verfolgte ökologische Konzepte heraus. Ob Insektennistwand, Igelbiotop, Benjeshecke, unversiegelte Wege aus Sand, Kiesel und Rasen oder der Verzicht auf Biozide – das Kleingartenwesen zeigt sich heute ganz bewusst naturnäher denn je! Das wirkt sich natürlich auf die Artenvielfalt im Kleingarten aus: Teilweise entdeckt man in den Gärten Pflanzen, die über keinen Katalog und keine Gärtnerei mehr beziehbar sind. Auch viele wildlebende Tierarten lassen sich über die neu geschaffenen, strukturreichen Lebensräume nachweisen. Mit diesem verstärkten Verständnis für Natur und Umwelt ist das Kleingartenwesen nach meiner Überzeugung auf dem richtigen Weg!
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Welche städtebaulichen und sozialen Besonderheiten wurden der Jury präsentiert? Wir brauchen Kleingärten dort, wo Menschen wohnen, leben und arbeiten! Insofern war es für die Jury ebenso ein wichtiges Bewertungskriterium, ob eine Anlage dauerhaft Bestand hat, sprich ob sie als Dauerkleingartenanlage rechtsverbindlich gesichert ist. Und immer mehr Anlagen sind das inzwischen! Für die meisten Städte sind die Anlagen extrem wichtig. Denn wäre die Kleingartenanlage nicht da, müsste die öffentliche Hand stattdessen eine Grünanlage für die Bürger errichten. Und das käme der Stadt deutlich teurer. Man darf nicht vergessen, dass mancher Kleingärtnerverein bis zu 30.000 Quadratmeter öffentliches Grün mitpflegt! Im sozialen Bereich bietet natürlich das Thema Integration spannende Entwicklungen. Kleingartenanlagen spielen bei der Integration ausländischer Mitbürger eine wichtige Rolle, im Rahmen des Wettbewerbs waren hier große Anstrengungen sichtbar. Sehr gefreut hat es die Jury beispielsweise, dass in einem Verein ein in Deutschland lebender Iraner Vorsitzender ist. Ebenso erfreulich ist die immer häufigere Zusammenarbeit von Kleingartenvereinen mit Schulen und Kindergärten. Schließlich muss man die Jugend erst einmal mit der Natur in Berührung bringen, um sie dafür begeistern zu können.Vergleich Bundeswettbewerb 2002 mit 2006: Wie hat sich das Kleingartenwesen in den vergangenen vier Jahren verändert? Das lässt sich mit einem Satz auf den Punkt bringen: Vielfalt statt Uniformität! Die Gärten präsentieren unterschiedlichste Laubentypen und eine individuelle Gartengestaltung sowie -nutzung. Es steht nicht mehr die Einheitslaube rechts in der Ecke des Gartens, davor das Bäumchen, der gerade Weg zur Pforte und daneben die akkurat angelegten Gemüsebeete. Heutzutage liegt Mischbepflanzung im Trend: Rosen, Phlox und Rittersporn in Kombination mit Gurken, Zucchini, Kohlrabi, Salat und Co. Eine bunte, individuelle Vielfalt! Überdies ist eine Verschiebung in Richtung Freizeitgarten bemerkbar. Vor allem die jungen Menschen wollen ihren Garten nicht nur zum Anbau von gesundem Gemüse nutzen und ihre Zeit dort mit Arbeit verbringen, sondern ebenso die Erholung im Grünen genießen. Und eine weitere Veränderung zeichnet sich ab im Kleingartenwesen: Die hohe Qualität der Fachberatung zeigt Wirkung im Erscheinungsbild der Kleingartenanlagen!
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Was bewirkt der Bundeswettbewerb für das Image und die Bekanntheit des Kleingartenwesens? Der Wettbewerb hatte dieses Mal ein enormes Presseecho: In jeder Anlage warteten lokale und überregionale Zeitungen, teils das Radio und oft auch das Fernsehen. Das ZDF hat uns zum Beispiel mehrere Tage begleitet. Inzwischen habe ich schon zig Anrufe von Freunden und Bekannten bekommen, die mir allesamt erzählt haben: "Mensch, ich hab’ dich im ZDF-Länderspiegel gesehen." Von diesem riesigen Medienecho werden die Bekanntheit des Kleingartenwesens und somit ebenso seine Stellung in Gesellschaft, Politik und Verwaltung sicherlich stark profitieren. Ein toller Erfolg für den Bundeswettbewerb 2006!Werden Sie 2010 wieder dabei sein? Da halte ich es mit einem Sprichwort von Epikur: Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug! Ich denke eher nicht, dass ich nochmals dabei sein werde. Man muss erkennen, wenn es Zeit ist, sich zurückzuziehen. Außerdem habe ich noch reichlich andere Interessen: Ich möchte mich noch intensiver mit der Gartenkunst Japans und Englands beschäftigen – am besten vor Ort, außerdem habe ich fünf erwachsene Kinder und sieben Enkelkinder, die sich alle sehr freuen, wenn ich Zeit für sie habe. Zunächst freue ich mich aber erst einmal auf die Preisverleihung des diesjährigen Bundeswettbewerbs am 9. Dezember 2006 in Berlin.
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